Am Land gibt's a Demo

Das Weinviertel hat jahrzehntelang geduldig am Eisernen Vorhang dahingedämmert, hat sich von der nahen Bundeshauptstadt infrastrukturell vergessen lassen, stellt kaum Anforderungen und begehrt nicht auf. Das ganze Weinviertel? Nein! In einer Bezirkshauptstadt regt sich unbeugsamer Widerstand.

Demonstranten von Fridays For Future am Mistelbacher Hauptplatz während der ersten Klimademo im Weinviertel.
1. Klimademo in Mistelbach

 

Es gibt für alles ein erstes Mal

Der weltweite Klimastreik von Fridays For Future, ein Novum in der Weinviertler Demokratie Landschaft, fand erstmals in Mistelbach statt. Exakt um 11.55 Uhr, um fünf vor zwölf, ertönte am Hauptplatz ein Gong zur offiziellen Eröffnung der ersten regionalen Fridays For Future Kundgebung. „Ich bin jung und ich brauche die Welt“ stand auf Plakaten der Teilnehmenden zu lesen oder „Lebenswerte Zukunft für alle Kinder“. Gründe für die Proteste waren vielfältig: „Bei uns am Land ist die Klimaerwärmung schon ein Problem, sagt Schüler Johannes aus Laa an der Thaya, es gibt weniger Regen und somit weniger Erträge.“ Luca aus der fünften Klasse Gymnasium meint kurz und bündig: „Die Verantwortlichen sind bereits tot, wenn wir die Auswirkungen der Klimakrise spüren.“

 

Nur politisches Gerede

Eine Gruppe von Schülerinnen ist sich einig, dass „die Politiker nur reden und nichts umsetzen, was tatsächlich die Erwärmung stoppt.“ Solche Events sollten öfter stattfinden, nicht nur alle paar Monate, ergänzen sie und: „Wir wollen konkrete hilfreiche Maßnahmen zu Klimaschutz für Mistelbach erklärt und gezeigt bekommen, von Leuten die sich auskennen, da machen wir mit.“

 

Fridays For Future Mistelbach: Forderungen an Bürgermeister und Bundesregierung

Initiatoren Gerrit Osabal und Katrin Weber zeigten sich zufrieden: "Unsere Klima-Demo ist die erste im Weinviertel, und wir sind glücklich, dass rund 200 Menschen dieses demokratische Neuland mit uns betreten." Und weiter: „Die Hemmnisse für wirksame Maßnahmen sind noch vielfach in den Köpfen. Information hilft.“

 

Die Hauptforderung, dass Österreich mit einem verbindlichen Klimaschutzgesetz seine vereinbarten Ziele erreichen muss, gilt für ländliche Regionen ebenso wie für urbane Zentren, wie der Stopp von weiterer Bodenversiegelung, Treibhausgasemissionen Halbierung und Förderung der Biodiversität.

 

Unterstützung der Kirche

 

Auch Religions For Future unterstützte die Protestbewegung, so nennt Mistelbachs Pfarrer Johannes Cornaro die soziale Klimagerechtigkeit wichtig, „denn die Armen leiden am meisten.“ Gerhard Weissgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft und im Weinviertel ansässig, meint: „Alle Lebewesen hängen voneinander und von einer intakten Umwelt ab, es braucht dringend ein konstruktives Miteinander.“

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